18-12-2008Augenarzt. Sie sitzt mir gegenüber und starrt mir in die Augen. Sie schaut auf den Computerbildschirm und starrt mir wieder in die Augen. Sie zählt alle Fakten auf, starrt auf den Monitor. Sie versteht es nicht. Ich rede unablässig auf sie ein. Ihr Blick bleibt fragend. Sie vollzieht das Ritual erneut: Sie starrt mich an, sie schaut auf den Bildschirm, sie rezitiert die Fakten. Sie hält inne und schlägt sich mit der flachen Hand auf die Stirn. "Jetzt verstehe ich's. Sie sind nicht kurzsichtig, sondern weitsichtig! - "Ach?" sagte ich nur. Man darf mich nicht falsch verstehen, ich mag sie. Meine Augenärztin ist eine von den Kompetenten und eine aufgeschlossene, fröhliche Frau. Aber heute hatte sie wohl einen Knick in der Optik, denn sie hat es nicht mit den Plus- und Minuszeichen vor den Dioptrinzahlen auf die Reihe gebracht. Ob sie auch eine Brille braucht?
Tochter abends um 23 Uhr, ein Tag vor ihrer letzten Arbeit: "Kannst du mir bei diesem Lückentext helfen? Die Hälfte habe ich verstanden, den Rest nicht. Und ich meine mich zu erinnern, dass der Lehrer gesagt hat, dass der Test so sein wird, wie dieses Arbeitsblatt."
Na toll! Eine 30-lose-Blatt-Sammlung auf den Knien, tasten wir uns gemeinsam vor, bis sie nach einer Stunde entnervt aufgibt.